NET­GEAR Rea­dy­NAS 212 im Test

Es ist ganz inter­es­sant zu sehen aus wel­chen Berei­chen die Her­stel­ler unse­rer NAS-Ser­ver Ver­gleichs­reihe kom­men. Wes­tern Digi­tal ist wohl am ehes­ten für ihre Fest­plat­ten bekannt, NET­GEAR kennt man vor allem als Rou­ter- und Modem­her­stel­ler. In unse­rem Test zum Rea­dy­NAS 210 erklä­ren wir euch, warum wir am Ende doch nicht ganz zufrie­den waren und was das Wört­chen Anspruch“ damit zutun hat.

Das Kind beim Namen nennen

Sieht man sich die Ama­zon Rezen­sio­nen der Käu­fer des Rea­dy­NAS 212 an, sind die Meis­ten ganz zufrie­den. Da stellt sich uns die Frage ob Kun­den heut­zu­tage nicht anspruchs­voll genug sind. Uns kommt es so vor als wür­den viele Nut­zer, aber lei­der auch Reviewer, oft­mals den Anspruch ver­lie­ren ein makel­lo­ses Pro­dukt zu nut­zen. Da wer­den krasse Defi­zite ein­fach igno­riert und trotz­dem 5 Sterne ver­ge­ben. Das zeigt mal wie­der, dass man auf die Kun­den­be­wer­tun­gen bei Ama­zon ein­fach nichts geben kann. Zu viele Leute sind daran gewöhnt nega­tive Aspekte zu akzep­tie­ren und im schlimms­ten Fall sogar zu igno­rie­ren. Fakt ist aber : ganz ok“ reicht nicht aus um eine hohe Wer­tung zu erhal­ten. Zumin­dest nicht bei uns. Und wenn sich dazu noch diverse Unge­reimt­hei­ten gesel­len, kommt das hier dabei her­aus : Wir kön­nen den Rea­dy­NAS 212 kei­nem guten Gewis­sens emp­feh­len. Nie­mand kann uns sagen, dass die­ses Gerät auch nur mit einem ande­ren Mit­be­wer­ber die­ser Reihe mit­hal­ten kann. Das bedeu­tet nicht, dass das Gerät völ­li­ger Müll ist. Eher sind die Kon­kur­ren­ten ein­fach durch­weg bes­ser und der Ser­ver feh­ler­be­haf­tet. Aber fan­gen wir von vorne an :

Samt­hand­schuhe nicht enthalten

Eigent­lich wirkt der Rea­dy­NAS 212 gar nicht so anfäl­lig. Mit sei­nen 2187 Gramm bringt er unlängst weni­ger auf die Waage als der Wes­tern Digi­tal PR2100. Das Gerät kommt in Schwarz und ist solide ver­ar­bei­tet. Die Fest­plat­ten Bays wer­den von einer Klappe ver­steckt, wel­che kom­plett mit Kla­vier­lack über­zo­gen ist. Auch die­ser Lack über­lebte nicht mehr als eine Rei­ni­gung. Wer also häu­fi­ger Hand anle­gen möchte, sollte sich Samt­hand­schuhe kau­fen. Übri­gens besit­zen wir wel­che und tra­gen sie wenn wir fil­men. Viel­leicht reicht ein Paar nicht ? 

Das Gerät ist 14,313 cm hoch, 10,164 cm breit und 23,03 cm lang und wiegt 2188 Gramm. Damit liegt es abso­lut im Durch­schnitt und sollte auch in klei­nen Büro­räu­men Platz fin­den. Im Ide­al­fall hin­ter dem Schrank. An der Vor­der­seite befin­den sich der Power But­ton, eine Sta­tus LED, zwei Fest­plat­ten LEDs, ein Backup But­ton und ein USB Port, sowie die bei­den Fest­plat­ten Bays hin­ter der ange­spro­che­nen Klappe. Wer genau hin­sieht, erkennt am Öff­ner der Bays einen klei­nen Rie­gel der als Kin­der­si­che­rung genutzt wer­den kann. Dafür ein­fach mit einem Schrau­ben­zie­her den Rie­gel nach links schie­ben. Mit den Fin­gern las­sen sich die Fest­plat­ten dann nicht mehr errei­chen. Auf der Rück­seite befin­den sich ein recht üppi­ger Lüf­ter, zwei USB Anschlüsse, zwei Ether­net Ports, ein eSATA Port sowie ein Ken­sing­ton Lock, die Reset Öff­nung und der Stromanschluss.

Das muss bes­ser gehen

Der NET­GEAR Rea­dy­NAS 212 war das vor­letzte Geräte das von uns getes­tet und daher ange­schlos­sen wurde. Daher sind mir die gra­vie­ren­den Unter­schiede auch umso mehr auf­ge­fal­len. Wir nut­zen für unse­ren Test die­sel­ben Fest­plat­ten, alle andere Ser­ver hat­ten damit keine Pro­bleme, bei der Volu­men­er­stel­lung wer­den sel­bige sowieso for­ma­tiert. Anders der Rea­dy­NAS. Nach dem Ein­set­zen der Fest­plat­ten, wel­ches nicht direkt son­dern über einen Käfig geschieht, wei­gert sich das Gerät zu boo­ten. Grund : Die Fest­plat­ten müs­sen manu­ell for­ma­tiert wer­den. Wo fang ich da an. Ers­tens : Kön­nen das die ande­ren Geräte selbst. Zwei­tens : Warum muss eine Fest­platte for­ma­tiert wer­den, um for­ma­tiert zu wer­den ? Falls Ihr also eure alten Fest­plat­ten nut­zen möch­tet, und Oma den Rea­dy­NAS bestellt hat müsst ihr Fol­gen­des tun :

  1. Ihr möch­tet zu den Werks­ein­stel­lun­gen zurück­keh­ren. Dabei wird ein Disk Test durch­ge­führt und die Fest­plat­ten for­ma­tiert. Schließt euer Gerät nor­mal an und instal­liert die Festplatten.
  2. Um ins Boot Menü zu gelan­gen schal­tet das Gerät aus. Nehmt eine Büro­klam­mer, drückt und hal­tet den Reset But­ton an der Rück­seite des Geräts.
  3. Drückt den Power But­ton um das Gerät anzu­schal­ten ohne den Reset But­ton loszulassen.
  4. Wenn alle LEDs durch­gä­nig leuch­ten könnt ihr den Reset But­ton los­las­sen und mit der Backup Taste durch das Boot Menü navi­gie­ren. Die LEDs zei­gen euch dabei eure Posi­tion“ an.
  5. Drückt die Backup Taste bis nur die Disk 1 LED leuch­tet. Drückt den Reset But­ton ein­mal um den Pro­zess zu star­ten. Der Disk Test dau­ert ca. 5 Minu­ten, danach wird eine 10 minü­tige Pause ein­ge­legt in der Ihr den Pro­zess been­det könnt in dem Ihr das Gerät ausschaltet.
  6. Genaue Anlei­tun­gen und Beschrei­bun­gen fin­det ihr hier auf Seite 51 – 52.

Nach­dem ihr 10 Minu­ten gewar­tet habt und euer Gerät tat­säch­lich ein­satz­be­reit ist, besucht Ihr ready​cloud​.net​gear​.com und wählt NAS. Die rest­li­che Instal­la­tion ist ein­fach und geht schnell. Zwi­schen­durch müsst ihr euer Netz­werk veri­fi­zie­ren“ indem Ihr den Backup But­ton am Gerät drückt. Sicher­lich eine sinn­volle Sicher­heits­maß­nahme auf die die ande­ren Mit­be­wer­ber nai­ver Weise ver­zich­ten. Nach einer RAID Ein­stel­lun­gen wird man wäh­rend des Pro­zes­ses übri­gens nicht gefragt. Die Firm­ware wird auto­ma­tisch geup­dated und Ihr lan­det im OS. Instal­la­tion beendet.

Die Instal­la­tion mit den Käfi­gen funk­tio­niert ohne Schrau­ben. Um die Fest­platte ein­zu­le­gen ent­fernt ihr den Käfig aus dem Gerät. Lass den Ver­schluss geöff­net und hal­tet den Hebel gedrückt. Nun könnt ihr die Plas­tik­schiene nach vorne schie­ben, den Hebel los­las­sen und die Fest­platte ein­le­gen. Drückt die Erhö­hun­gen an der Schiene in die Fest­platte und schiebt das Ganze zurück zur Aus­gangs­po­si­tion und schiebt den Käfig ins Gehäuse. 

Zwei­ge­teilte Übersichtlichkeit

Zuerst lan­det Ihr nun in der Ready­Cloud. Sozu­sa­gen die Ord­ner­struk­tur eures Geräts. Nach der Instal­la­tion wer­den die Fest­plat­ten syn­chro­ni­siert, das Gerät bleibt aber ein­satz­be­reit. In der Ready­Cloud las­sen sich neue Ord­ner für eure Dateien erstel­len. Das Ganze ist sehr über­sicht­lich und gefällt uns an sich gut. Toll ist auch die Funk­tion Dateien sofort per Down­load Link zu tei­len und wei­ter­zu­ge­ben. Damit könnt ihr euren Freun­den bei­spiels­weise sofort Bil­der zur Ver­fü­gung stel­len. Mit einem ein­fa­chen Rechts­klick auf Datei oder Ord­ner lässt sich dann sogar ein Pass­wort set­zen und die Anzahl der Down­loads beschrän­ken. Wirk­lich gut gemacht !

Der Datei­aus­tausch von eurem Gerät ist via Drag & Drop mög­lich. Etwas ärger­lich ist aller­dings, dass der Explo­rer euch kaum Dateien anzei­gen lässt. Bil­der sind kein Pro­blem, aber Doku­mente wer­den direkt run­ter­ge­la­den. Eine kleine Vor­schau wäre schön gewesen.

Zusätz­lich zur Ready­Cloud gibt es noch die Rea­dy­NAS Ober­flä­che, der Admin­be­reich des Ser­vers. Dort las­sen sich eure Volu­men, Kon­ten und Appli­ka­tio­nen mana­gen. Ins­ge­samt wer­den 83 Apps ange­bo­ten, dar­un­ter auch Plex. Diese dient, wie beim PR2100, als Medi­en­bi­blio­thek und funk­tio­niert super. Für alle Funk­tio­nen muss aber Geld auf den Tisch gelegt wer­den und zwar 39,99€ im Jahr oder 119,99€ für eine lebens­lange Mit­glied­schaft. Das Feh­len einer kos­ten­lo­sen, haus­ei­ge­nen Alter­na­tive wie bei QNAP nervt. Wenn wir uns aber die haus­ei­gene Gale­rie App anschauen ist es viel­leicht bes­ser so. Rea­dy­NAS Pho­tos II heißt das kleine Pro­gramm. Es ermög­licht euch Bil­der hoch­zu­la­den, anzu­schauen und Alben zu erstel­len. Und das funk­tio­niert auch, des­halb möch­ten wir nicht zu hart sein. Aber wie sieht das denn aus. Grau­en­haf­tes Design aus den spä­ten 90ern, Über­set­zungs­feh­ler, Schrift teil­weise so klein, dass man sie kaum lesen kann. Da wun­dert es uns nicht, dass links unten ver­lau­tet wird : NET­GEAR© – Ver­sion 0.0.0.“ Foto­al­ben las­sen sich auch auf jedem Gerät das ihr besitzt erstel­len, dafür braucht man also keine Bonus­punkte erwar­ten. Das Design zeigt ein­fach, dass hier lieb­los etwas zusam­men­ge­schraubt wurde.

Ansons­ten ist das App Ange­bot nicht unin­ter­es­sant aber auch nicht atem­be­rau­bend. Es gibt ganz nette Pro­gramme wie Moodle, sowie eine Backup Funk­tion in andere Clouds wie Drop­box. Bei der Instal­la­tion von Plex kam es übri­gens einige Male zu Feh­ler­mel­dun­gen. Mehr­ma­li­ges Aktua­li­sie­ren der Seite war nötig. Gleich­zei­tig dau­erte auch die Instal­la­tion rela­tiv lang. Dies lässt sich ein­deu­tig der lau­fen­den Syn­chro­ni­sa­tion zuord­nen, even­tu­ell gilt das auch für die Fehlermeldungen.

Kom­men wir zum letz­ten Stol­per­stein : Die Android App. Anders als bei den meis­ten Kon­kur­ren­ten gibt es hier nur eine App für alles, Ready­CLOUD. Die Instal­la­tion und Ein­rich­tung ging hier ein­fa­cher von der Hand. Die Ord­ner las­sen sich schnell und über­sicht­lich ein­se­hen. Bil­der sind gut ein­seh­bar, zoo­men und wei­te­res geht schnell von Stat­ten. Auch Doku­mente wer­den schnell gela­den. Anders sieht es bei den Videos aus. 4K Strea­ming ist wie bei der Kon­kur­renz nicht drin. Aber auch mit Full HD Foo­tage hatte die App so ihre Pro­bleme. Häu­fige Abstürze waren die Folge. Im Play Store steht die Appli­ka­tion momen­tan bei 2,7 Ster­nen. Wenigs­tens küm­mert sich NET­GEAR und steht im Aus­tausch mit den gefrus­te­ten Kun­den. Mit ande­ren Apps wie dem VLC Player lief das Strea­ming deut­lich bes­ser. Es han­delt sich also um ein Soft­ware­pro­blem das theo­re­tisch gepatcht wer­den kann.

Über­zeugt als Datenspeicher

Wie schon zuvor erwähnt ist das Spei­chern, Wei­ter­ge­ben und Archi­vie­ren von Dateien gut umge­setzt. Auch die Über­tra­gungs­ra­ten sind in Ord­nung. In unse­rem Test schwank­ten diese zwi­schen 90 und 100 MB/​s. Das ist etwas lang­sa­mer als viele Kon­kur­ren­ten aber immer noch aus­rei­chend um so ziem­lich alle Dateien schnell zu über­tra­gen und abzu­ru­fen. Preis­lich steht der Rea­dy­NAS 212 gut da. Mit knapp über 250€ ist er zum Test­zeit­punkt das güns­tigste Modell im Vergleich. 

Ins­ge­samt fehlt dem Rea­dy­NAS 212 ein­fach die Liebe zum Detail. Die Hard­ware ist ordent­lich aber die Soft­ware liegt unter dem Durch­schnitt der Kon­kur­renz. Und das in Sachen Qua­li­tät, Quan­ti­tät und Umfang. Die Instal­la­tion ist mit die umständ­lichste, die wir im Test erlebt haben. Lei­der nicht gut genug. Wir kön­nen euch das Gerät also nur ein­ge­schränkt emp­feh­len. Wenn es euch nur darum geht Dateien zu sichern ohne sie mobil zu betrach­ten, könnt ihr zugrei­fen. Ach­tet dann dar­auf behut­sam mit dem Gerät umzu­ge­hen um Krat­zer zu ver­mei­den oder stellt es direkt zu den Steu­er­un­ter­la­gen von 2003. Alle die eine Mul­ti­me­dia Sta­tion suchen soll­ten spa­ren und zu einem ande­ren Gerät grei­fen. Mehr Emp­feh­lun­gen fin­det ihr auch in unse­rem Ver­gleichs­ar­ti­kel.

55 %

Gesamtbewertung

Fazit

Designtechnisch ein absoluter Totalausfall. Die Installation von bereits verwendeten Festplatten ist umständlich, die Software maximal Mittelmaß. Prinzipiell verwendbar, wir empfehlen trotzdem zu sparen.

Software (35%)

  • Drag’n’Drop möglich
  • Interessante Funktionen wie Moodle
  • Tolle Dateifreigabe
  • Photos II 
  • keine kostenlose Medienbibliothek
  • ReadyCloud zeigt nur Fotos direkt an
  • geteiltes System
  • Android App katastrophal

Installation (20%)

  • ab dem Webinstaller einfach und ohne Probleme
  • umständliches, manuelles Formatieren
  • sinnlose Netzwerk Verifizierung

Preis (20%)

  • günstigstes Modell im Vergleich

Leistung (15%)

  • Ordentliche Übertragungsraten…
  • Streaming außerhalb der Android App ohne Probleme
  • …die niedriger sind als der Durchschnitt
  • Installationen vergleichsweise langsam

Design (10%)

  • Die Form gefällt
  • Klappe vor den Bays
  • grauenhaft anfälliger Pianolack

Preisvergleich


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