Wes­tern Digi­tal My Cloud PR2100 im Test

Wes­tern Digi­tal gehört zu den bekann­tes­ten Her­stel­lern von Spei­cher­pro­duk­ten der Welt, vor allem in der Fest­plat­ten­sparte gehört WD zu den fes­ten Grö­ßen der Bran­che. Neben den pas­sen­den Fest­plat­ten bie­tet der US-ame­ri­ka­ni­sche Riese aber auch die dazu­ge­hö­ri­gen NAS-Ser­ver an. In die­sem Arti­kel erfahrt ihr alles zum My Cloud PR2100.

Kann man so ste­hen lassen

Der Logik nach begin­nen wir bei den Äußer­lich­kei­ten. Der PR2100 kommt im schlich­ten, schwar­zen Plas­tik­look daher. An der Vor­der­seite lie­gen die bei­den Fest­plat­ten-Bays die mit einem ein­fa­chen Hebel geöff­net wer­den kön­nen. Dar­un­ter befin­den sich zwei blaue Sta­tus LEDs. Links dane­ben befin­det sich das WD Logo, dar­un­ter der Power But­ton sowie die Direkt­ko­pier­taste und der dazu­ge­hö­rige USB Port. All diese Anschlüsse lie­gen auf einem Hin­ter­grund aus Pia­nolack. Auf der Rück­seite lie­gen Reset But­ton, ein wei­te­rer USB Port, zwei Ether­net Anschlüsse sowie zwei Strom­an­schlüsse. Hin­ter dem Git­ter lässt sich der, vor allem beim Start sehr laute Lüf­ter erkennen. 

Mit 2,2 kg ohne Fest­plat­ten und Maßen von 14,8 cm in der Höhe, 11 cm in der Breite und 21,3 cm in der Länge liegt der PR2100 im Durch­schnitt unse­res Pro­dukt­felds. Ins­ge­samt also ein hüb­sches Gerät das man pro­blem­los im Büro unter­brin­gen kann. Der Pia­nolack stört und zieht Staub an, vor allem sollte er aber scho­nend behan­delt wer­den da er im Hand­um­dre­hen verkratzt.

Pia­nolack, auch Schleif- oder Kla­vier­lack genannt, ist die letzte Bürde Got­tes die selbst Ungläu­bige tag­täg­lich belas­tet. Ein bekann­ter Able­ger der berühmt-berüch­tig­ten Lackie­rung war die Play­Sta­tion 3, ihres Zei­chens nach die schmut­zigste Kon­sole aller Zei­ten. Pia­nolack sieht nicht nur scheiße aus, er zeigt Staub, Schmutz und Fin­ger­ab­drü­cke auch so gut wie keine andere Mate­ri­al­be­ar­bei­tung und ver­kratzt bei jeder unge­plan­ten Berüh­rung. Trotz­dem ver­wen­den dia­bo­li­sche Pro­dukt­de­si­gner bis heute das Teu­fels­zeug, ver­mut­lich um von ihren eige­nen Macken abzulenken.

Mut­ter, instal­lierst du kurz den NAS-Server?“

Rich­tig gehört. Den PR2100 könnt ihr pro­blem­los von eurer Mut­ter instal­lie­ren las­sen. Kein Gerät im Test ließ sich so pro­blem­los ein­rich­ten wie das WD Gerät. Strom ran, Ether­net an Rou­ter und NAS, Fest­plat­ten rein, Powerknopf drü­cken und mycloud​.com/​setup an einem Gerät im sel­ben Netz­werk öff­nen. Erwäh­nens­wert : Der WD NAS ist der ein­zige der die Fest­plat­ten ohne Fest­plat­ten­kä­fig instal­lie­ren lässt. Ein­fach rein­schie­ben und die Klappe schließen.

Zurück zur Instal­la­tion : Nach dem Fest­le­gen eures Admin­kon­tos lan­det ihr rela­tiv schnell im Spei­cher-Menü des Geräts. Hier könnt Ihr direkt ein Volu­men ein­rich­ten. Unter Daten­trä­ger­sta­tus seht ihr davor ob eure Fest­plat­ten auch tat­säch­lich erkannt wer­den. Wich­tig ist, dass ihr auch wenn ihr kein RAID ver­wen­den möch­tet ein Volu­men erstel­len müsst um den Ser­ver nut­zen zu kön­nen. Zur Aus­wahl ste­hen dabei JBOD („just a bunch of disks“, also getrennte Fest­plat­ten ohne RAID Ver­bund), Auf­tei­lung (mit­ein­an­der ver­bun­dene Fest­plat­ten die nach­ein­an­der gefüllt wer­den, eben­falls ohne RAID Ver­bund), RAID0 (Daten wer­den auf beide Fest­plat­ten ver­teilt wodurch schnel­lere Lese- und Schreib­ge­schwin­dig­kei­ten erzielt wer­den) sowie RAID1 (die Daten wer­den auf bei­den Fest­plat­ten glei­cher­ma­ßen gespei­chert wodurch eine red­un­dante Siche­rung ent­steht). Da wir unse­ren Ser­ver zur Siche­rung von Videos und Bil­dern ver­wen­den möch­ten wäh­len wir in jedem Test RAID1. Mehr Infor­ma­tio­nen zu RAID und wel­ches Ihr ver­wen­den soll­tet fin­det Ihr im Ver­gleichs­ar­ti­kel hier

Um eure gewähl­tes Volu­men zu erstel­len klickt auf Zu X wech­seln“ und danach rechts unten auf Wei­ter“. Der NAS lässt dar­auf­hin einen soge­nann­ten Drive Self Test“ durch­füh­ren, der bei unse­ren bei­den 2TB Plat­ten von WD circa 2 12 Minu­ten gedau­ert hat. Klickt erneut auf Wei­ter“ um die Größe eures zukünf­ti­gen Volu­men zu sehen. Danach könnt Ihr wäh­len ob Ihr die Auto­ma­ti­sche Neu­erstel­lung der Fest­plat­ten akti­vie­ren möch­tet. Dadurch wird das RAID beim Erken­nen des Daten­trä­gers auto­ma­tisch wie­der­her­ge­stellt. Das ist der Sinn von RAID1, daher emp­feh­len wir euch die Funk­tion zu akti­vie­ren. Dar­auf folgt die Option das Volu­men zu ver­schlüs­seln, Edward wäre sicher stolz. Wir ver­zich­ten dar­auf, kli­cken uns wei­ter durch Zusam­men­fas­sung und Alle Daten gehen verloren“-Idiotensicherung. Klickt auf Fer­tig stel­len“ und euer Volu­men wird erstellt. Der Vor­gang beinhal­tet Par­ti­tio­nie­rung und For­ma­tie­rung (die Idio­ten­si­che­rung ist nicht ganz unbe­grün­det, eure Daten sind logi­scher­weise futsch). Das Pro­ze­dere dau­ert unge­fähr 5 Minu­ten, danach ist die Instal­la­tion offi­zi­ell abge­schlos­sen und über­zeugt unterm Strich mit Ein­fach­heit und Schnelligkeit. 

Über­sicht dank Leere

Das Betriebs­sys­tem des PR2100 ist über­sicht­lich und gut struk­tu­riert. Oben fin­den sich But­tons für USB Geräte, Benach­rich­ti­gun­gen, die Hilfe sowie Benut­zer­ein­stel­lun­gen. Dar­un­ter liegt die Navi­ga­tion. Im Tab Start­seite fin­den sich zusam­men­ge­fasste Werte zu eurem Gerät, wie Spei­cher­ka­pa­zi­tät, Netz­werk­ak­ti­vi­tät sowie eine Dia­gno­se­funk­tion und die Anzahl der instal­lier­ten Apps.

Im Tab Benut­zer las­sen sich neue Anwen­der und Grup­pen ein­rich­ten. Ihr könnt auch den Zugriff auf Ord­ner beschrän­ken um eure Kin­der von der mas­si­ven E-Book Samm­lung fernzuhalten.

Unter Frei­ga­ben las­sen sich Ord­ner zum Datei­en­aus­tausch erstel­len und deren Ein­stel­lun­gen fest­le­gen. Hier könnt ihr auch das Medien-Ser­ving“ akti­vie­ren um bei­spiels­weise Inhalte eures Video Ord­ners inner­halb des Netz­werks auf DLNA-fähi­gen Gerä­ten wie eurem Smart TV oder eurer Play­Sta­tion abzu­spie­len. Dafür ist es von Nöten in den Ein­stel­lun­gen unter Medien“ das Medi­enst­rea­ming“ zu aktivieren.

Unter Apps fin­det ihr den WD App Store. Und hier kom­men wir zum ers­ten wirk­li­chen Pro­blem die­ses Geräts. Die Aus­wahl an Appli­ka­tio­nen ist bes­ten­falls gering. Es gibt zwar inter­es­sant Funk­tio­nen wie eine Drop­box App womit ihr Dateien zwi­schen eurem NAS und eurem ech­ten“ Cloud­spei­cher hin- und her­schie­ben könnt, an die Aus­wahl und Viel­falt der Kon­kur­renz kommt der PR2100 aber nicht ran. Vor allem das Feh­len einer ech­ten und vor allem umfas­send kos­ten­lo­sen Medi­en­bi­blio­thek ist bit­ter. Dafür gibt es hier Plex. Das ist eine uni­ver­sale Lösung für eure Medien die es auch für die meis­ten ande­ren NAS-Ser­ver im Ver­gleich gibt. Und Plex sieht auch toll aus, funk­tio­niert super und punk­tet mit Apps für Android und iOS. Aber Plex kos­tet in der Voll­ver­sion auch 39,99€ im Jahr oder 119,99€ für eine lebens­lange Mit­glied­schaft. Davor befin­det sich das Sys­tem im Test­mo­dus und zeigt Videos nur für eine Minute an, Fotos wer­den mit Was­ser­zei­chen dar­ge­stellt. Wenn man bedenkt, dass bei­spiels­weise QNAP mit einer eige­nen voll­kom­men kos­ten­lo­sen App um die Ecke kommt, die genauso gut funk­tio­niert und tolle Funk­tio­nen wie das auto­ma­ti­sche Erken­nen von Serien und Fil­men bie­tet, hat das Ganze wie der Schwabe sagen würde, a Gschmäckle.

Plex lässt sich übri­gens aus dem App Store nur in einer ver­al­te­ten Ver­sion instal­lie­ren. Das Pro­gramm schreit sofort nach einer Aktua­li­sie­rung die manu­ell durch­ge­führt wer­den muss. Dafür klickt ihr in Plex rechts oben auf Ein­stel­lun­gen und wählt in der Navi­ga­tion Ser­ver“. Unter All­ge­mein“ fin­det ihr direkt oben dann die Mel­den Ein Update ist ver­füg­bar. Bitte manu­ell instal­lie­ren.“ Klickt dar­auf und das Update wird her­un­ter­ge­la­den. Nun müsst ihr im Admin­be­reich des PR2100 ledig­lich unter Apps“ auf Install an app manu­ally“ kli­cken und das Update aus­wäh­len. Das funk­tio­niert zwar ohne Pro­bleme, ist aber nicht gerade prak­tisch. Ansons­ten gibt es mit Joomla und Wor­d­Press zwei Con­tent Manage­ment Sys­teme die sich pro­blem­los instal­lie­ren lassen. 

Im Cloud-Zugriff könnt ihr ein­zelne App Ver­bin­dun­gen für unter­schied­li­che User her­stel­len. Klickt ihr auf ein belie­bi­ges Konto fin­det ihr unten Code abru­fen“. Die­sen könnt ihr dann in der My Cloud App ein­ge­ben, müsst ihr aber nicht. Dort könnt ihr euch auch ein­fach mit eurem erstell­ten Konto ein­log­gen und die Sache kom­for­ta­bler lösen. Sobald Ihr euch ver­bun­den habt könnt ihr das Gerät, bei­spiels­weise nach einem Dieb­stahl, auch wie­der aus dem Netz­werk wer­fen. So haben Unbe­fugte kei­nen Zugriff auf eure Daten.

Im Menü Siche­run­gen“ las­sen sich unter­schied­li­che Back­ups umset­zen. Zur Aus­wahl ste­hen unter ande­rem USB Siche­run­gen, interne Siche­run­gen auf andere NAS-Geräte oder auch Cloud-Siche­run­gen mit­hilfe von Ele­phant­Drive oder Ama­zon S3.

Unter Ein­stel­lun­gen“ las­sen sich Uhr­zeit und Ener­gie­spar­modi, sowie Netz­werk und Medi­en­set­tings ein­stel­len. Das meiste davon rich­tet sich an erfah­rene User.

Mobi­li­tät ein­fach gemacht

WD bie­tet für den mobi­len Gebrauch eine App für alles an. Die My Cloud App ist über­sicht­lich und schnell ver­bun­den, wie oben erwähnt ent­we­der per Code oder direkt über euren My Cloud Account. Eure Ord­ner wer­den danach ohne Pro­bleme dar­ge­stellt, eine auto­ma­ti­sche Siche­rung eurer Fotos und Videos vom Handy wird sofort gestar­tet. Auch der Fern­zu­griff außer­halb des Netz­werks funk­tio­niert sofort und ohne wei­tere Ein­stel­lun­gen. Damit wäre der Stan­dard­nut­zen einer Cloud erfüllt. Ledig­lich das Abspie­len von Videos hat kurz­zei­tig Pro­bleme gemacht. Der WD Sup­port war schnell zur Stelle und emp­fahl das Deak­ti­vie­ren von HTTPS-Strea­ming. Dafür klickt Ihr in der App unter Ein­stel­lun­gen 5 Mal auf die App Ver­sion. Nun fin­det ihr im neuen Rei­ter die Option HTTPS-Strea­ming zu deak­ti­vie­ren. Danach funk­tio­nierte das Abspie­len sofort. Alter­na­tiv könnt ihr auch kom­plett auf die My Cloud App ver­zich­ten, zumin­dest wenn ihr euch im sel­ben Netz­werk befin­det. Der VLC Player fin­det das Gerät bei­spiels­weise sofort und ermög­licht eben­falls das Abspie­len von Videos.

Die My Cloud App ist also ordent­lich, mit einer App für alles steht WD fast alleine da. Wir begrü­ßen das aber, wer will schon 6 Apps instal­lie­ren und zwi­schen Video und Foto wech­seln müs­sen. Vom Soft­ware­an­ge­bot des NAS an sich, sind wir aber nicht über­zeugt. Einige der Ein­stel­lun­gen hätte man der Ein­fach­heit hal­ber bes­ser in die Instal­la­tion ein­ge­glie­dert. Die Hilfe ist aller­dings umfas­send und hat fast immer die Lösung parat. Der Man­gel an Apps ist pro­ble­ma­tisch, Plex als Medi­en­bi­blio­thek zwar eine Alter­na­tive aber durch­aus teuer. Ansons­ten bie­tet das Gerät viele Ein­stel­lungs­mög­lich­kei­ten und ist anpassungsfähig.

Schnell und teuer

Zur Leis­tung lässt sich nur sagen, dass der PR2100 abso­lut im Durch­schnitt liegt. Mit 105 MB/​s beim Lesen und 109 MB/​s beim Schrei­ben in RAID1 ist ein schnel­ler Daten­aus­tausch gewähr­leis­tet. Je nach Kon­fi­gu­ra­tion ist natür­lich mehr mög­lich. Das Gerät taucht auch sofort und ohne die Instal­la­tion von zusätz­li­cher Soft­ware in Win­dows auf. 

Das Abspie­len von Videos funk­tio­niert in Full HD pro­blem­los, ob in der App oder auf DLNA-fähi­gen Gerä­ten macht da kei­nen Unter­schied. 4K schafft das Gerät nicht, auch die Kodie­rung macht Pro­bleme. Wir spre­chen wir von rela­tiv kur­zen Videos die ins­ge­samt nicht viel grö­ßer sind als län­gere Full HD Inhalte. Da damit aber jeder Ser­ver im Ver­gleich Pro­bleme hatte möch­ten wir das dem PR2100 nicht ankreiden. 

Preis­lich befin­det sich der PR2100 am obe­ren Ende der Skala. Ange­sichts des klei­nen Soft­ware­an­ge­bots und kei­nen ersicht­li­chen Fea­tures die das Gerät, abge­se­hen von der Instal­la­tion und ein­fa­chem Fest­plat­ten­ein­bau, von der Kon­kur­renz abhe­ben. Daher kön­nen wir das Wes­tern Digi­tal PR2100 nur ein­ge­schränkt emp­feh­len. Wir möch­ten trotz­dem die Sim­pli­zi­tät und die pro­blem­lose Funk­tion als Cloud Spei­cher her­vor­he­ben. Wer Plex bereit sein Eigen nennt und kein Pro­blem mit einem höhe­ren Preis hat wird nicht ent­täuscht werden.

71 %

Gesamtbewertung

Fazit

Der WD My Cloud PR2100 wäre unserer Meinung nach ein ideales Einsteigerprodukt. Dafür ist er leider zu teuer.

Software (35%)

  • eine Smartphone App für alles
  • übersichtliches Betriebssystem…
  • anfängliche Probleme beim Streamen von Videos
  • … mit deutlich weniger Funktionen als QNAP und Synology

Installation (20%)

  • Festplatteninstallation ohne Rahmen
  • einfache und schnelle Installation mit guten Anweisungen
  • RAID Erstellung kinderleicht
  • Verbindung außerhalb des Netzwerks ohne Probleme möglich

Preis (20%)

  • gutes Gesamtprodukt für alle die es einfach wollen…
  • … selbst ohne Festplatten deutlich zu teuer

Leistung (15%)

  • sehr gute Übertragungsraten
  • Streamen von 1080p Inhalten ohne Probleme möglich
  • Kodierung von 4K Inhalten funktioniert eher schlecht

Design (10%)

  • ansehnliches Design…
  • Größe und Gewicht durchschnittlich
  • … mit zum Glück sparsam verwendetem Pianolack der sofort verkratzt

Preisvergleich


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