In den ver­gan­ge­nen Jah­ren hat sich der US-ame­ri­ka­ni­sche Her­stel­ler Gar­min im Seg­ment der KFZ-Navi­ga­tion einen guten Namen gemacht. Und das, obwohl die Marke den Ein­stieg in die kar­ten­ge­stützte Navi­ga­tion fast ver­passt zu haben schien. Zuvor war Gar­min ledig­lich im Bereich der satel­li­ten­ge­stütz­ten Posi­ti­ons­be­stim­mung bekannt. Weni­ger bekannt ist auch, das Gar­min zahl­rei­che Pro­dukte in den Berei­chen der Navi­ga­tion zu Fuß, auf dem Was­ser, in der Luft und für das Fahr­rad anbietet.

Vor­schau Pro­dukt Preis
Garmin... Gar­min… 397,99 EUR

Nach­dem wir den klei­nen Bru­der EDGE 510 getes­tet haben, nah­men wir uns in einem aus­führ­li­chen Test auch den EDGE 810 auf den Fahr­rad­len­ker und genauer unter die Lupe. In unse­rem Test­la­bor haben wir das 2013 auf­ge­legte Sys­tem aus Fahr­rad­com­pu­ter und Fahr­rad­na­vi­ga­tion auf die tech­ni­schen Fea­tures unter­sucht, im Pra­xis­test hat unser Tes­ter die All­tags­taug­lich­keit des Gerä­tes geprüft.

Im obe­ren Preis­seg­ment der Fahr­rad­com­pu­ter und -navi­ga­ti­ons­sys­teme ange­sie­delt, ist die Anschaf­fung des Gerä­tes sicher­lich keine ein­fa­che Ent­schei­dung. Des­halb haben wir vor allem auf die Fea­tures der Fahr­rad­na­vi­ga­tion beson­de­res Augen­merk gelegt.

Unser Test­la­bor hat das EDGE 830 in einem klei­nen schi­cken Kar­ton in Emp­fang genom­men. Der Lie­fer­um­fang in der Stan­dard-Ver­sion ent­hält das hand­li­che Gerät selbst, ein Lade­ka­bel mit inter­na­tio­na­lem Lade­ste­cker und USB-Kabel, die Schnell­start­an­lei­tung und einen Befes­ti­gungs­satz für den Len­ker oder den Len­ker­vor­bau. Im eben­falls erhält­li­chen Bundle ist der Lie­fer­um­fang etwas brei­ter gefasst, soll hier aber keine Rolle spielen.

Das EDGE 830 ist im Ver­gleich zum klei­nen Bru­der EDGE 510 deut­lich mehr als ein funk­ti­ons­star­ker Fahr­rad­com­pu­ter mit GPS- und Blue­toot­han­bin­dung. Er ver­fügt dar­über hin­aus über die Funk­tion eines Navi­ga­ti­ons­sys­te­mes für Fahr­rä­der, zu dem die ein­zel­nen Kar­ten aller­dings für teu­res Geld nach­ge­kauft wer­den müs­sen. Zu den tech­ni­schen Fea­tures der Fahr­rad­com­pu­ter-Funk­tio­nen ver­wei­sen wir auf den Test­be­richt zum EDGE 510. Des­halb kon­zen­trie­ren wir uns hier mehr auf die Funk­tio­nen der Fahrradnavigation. 

Nach dem Aus­pa­cken hat­ten wir sofort einen ange­neh­men Ein­druck. Das Gerät und die ein­zel­nen Kom­po­nen­ten sind sehr sorg­fäl­tig ver­ar­bei­tet, die Mate­ria­lien pas­sen auf den ers­ten Blick exakt zum vor­ge­se­he­nen Ein­satz­zweck. Vor der ers­ten Nut­zung emp­feh­len wir eine voll­stän­dige Auf­la­dung des Gerä­tes, das dann für etwa zehn Stun­den nutz­bar ist. Damit ent­spre­chen unsere Erfah­run­gen auch den Herstellerangaben.

Emp­feh­lens­wert ist es, vor der ers­ten Inbe­trieb­nahme zumin­dest die Schnell­start­an­lei­tung zu stu­die­ren. Die kom­plette Doku­men­ta­tion ist nur als PDF im Inter­net her­un­ter­zu­la­den. Sowohl mit der Schnell­start­an­lei­tung als auch mit der PDF-Doku­men­ta­tion erschlie­ßen sich uns die fast schon über­la­de­nen Funk­tio­nen des EDGE 830 nur lang­sam und teilweise.

Die Mon­tage auf dem Fahr­rad­len­ker macht keine Pro­bleme. Aller­dings fällt schon in der ers­ten Inbe­trieb­nahme auf, dass die Bedien­knöpfe nur sehr schwer­fäl­lig reagie­ren und einen uner­war­tet hohen Kraft­auf­wand erfor­dern. Genauso fällt auf, dass das Touch-Dis­play sehr schlecht ent­spie­gelt ist, so dass bei Tages­licht alles in der Umge­bung gespie­gelt wird und so die Erkenn­bar­keit von Details beson­ders in den Kar­ten­an­sich­ten sehr erschwert. Bei direk­ter Son­nen­ein­strah­lung ist fast gar nichts mehr zu sehen.

Der aus­gie­bige Pra­xis­test bestä­tigte im Bezug auf die Funk­tio­nen des Fahr­rad­com­pu­ters die Erfah­run­gen, die wir bereits beim EDGE 510 gemacht haben. Dem ist hier nichts hinzuzufügen.

Die Fahr­rad­na­vi­ga­tion zeigt bereits am Anfang einen ent­schei­den­den Feh­ler. Gar­min umwirbt das Gerät zwar auch für die Navi­ga­tion mit dem Tou­ren­rad und für das Moun­tain­bike, aller­dings sind die stan­dard­mä­ßi­gen Stra­ßen­kar­ten ledig­lich für die Navi­ga­tion mit dem Renn­rad sinn­voll, da Neben­wege oder gar Pfade im Wald für das Moun­tain­bike gar nicht ange­zeigt wer­den. Hier müss­ten topo­gra­fi­sche Kar­ten instal­liert wer­den, die aller­dings über­mä­ßig teuer sind. Außer­dem fällt auf, dass das Kar­ten­ma­te­rial im inner­städ­ti­schen Bereich auch fal­sche Anga­ben zu fahr­rad­taug­li­chen Stra­ßen und Wegen macht. Auch die Genau­ig­keit der Anga­ben lässt zumin­dest im Groß­stadt­be­reich zu wün­schen übrig.

Anders als bei der KFZ-Navi­ga­tion wer­den hier keine Sprach­hin­weise zur Rou­ten­füh­rung gege­ben, Abbie­ge­hin­weise wer­den ledig­lich optisch dar­ge­stellt und akus­tisch mit einem gut hör­ba­ren Piepston vor­an­ge­kün­digt. Da das Dis­play wegen der hohen Spie­ge­lung oft­mals nicht klar ein­zu­se­hen ist, gibt es hier ab und an schon ein­mal Irri­ta­tio­nen in der Stre­cken­füh­rung. Ein­mal auf fal­schen Wegen benö­tigt des EDGE 830 etwas Zeit, um eine berich­tigte Route aus­zu­rech­nen und diese dann anzuzeigen.

Auf­fäl­lig ist auch, dass trotz der ange­neh­men Farb­dar­stel­lung die geringe Auf­lö­sung doch ihren Tri­but for­dert, so dass die Kar­ten­an­sicht ab und an etwas pixe­lig erscheint. Bei aus­rei­chen­der Auf­merk­sam­keit lässt sich zumin­dest auf Stra­ßen den­noch gut navi­gie­ren. Das ist aller­dings nicht die opti­male Lösung, vor allem nicht im städ­ti­schen Umfeld. Hier hätte sich unser Tes­ter etwas mehr Daten­um­fang und Genau­ig­keit gewünscht.

Für den Betrieb mit dem Renn­rad erscheint das EGDE 830 noch recht kom­for­ta­bel, für den Ein­satz auf dem Moun­tain­bike ist es wegen der feh­len­den Anga­ben nicht befes­tig­ter Rou­ten eher unge­eig­net. Das stellt dann auch das größte Manko am Gar­min EDGE 830 dar.

Rich­tig Spaß machen die Funk­tio­nen des Fahr­rad­com­pu­ter wie wir sie schon am EDGE 510 getes­tet haben. Hier war die Ver­bin­dung zwi­schen Tes­ter und Test­lab über Gar­min Con­nect und die Blue­tooth Anbin­dung an das Gar­min die zwei­fels­frei attrak­tivste Lösung, wobei hier live die Fahrt des Tes­ters ver­folgt wer­den konnte. Live bedeu­tet hier aller­dings nicht in Echt­zeit, da Stand­ort­da­ten und die Über­tra­gung nur etwa alle 30 Sekun­den erfol­gen. Das reicht aller­dings für die Nut­zung als Fahr­rad­com­pu­ter voll­stän­dig aus.

Auch die Spei­che­rung der Logs und deren Aus­wer­tung ist über Gar­min Con­nect pro­blem­los und umfang­reich mög­lich, die Smart­phone App lie­fert hier nur einen Aus­zug aus dem umfang­rei­chen Funktionen.

Sowohl bei gro­ßer Hitze als auch bei lang­an­hal­ten­dem Regen­wet­ter zeigte des EDGE 830 keine funk­tio­na­len Aus­set­zer und nahm auch die eine oder andere Por­tion Schmutz läs­sig hin. Auch die Swipe-Funk­tion zum Ansichts­wech­sel auf dem Dis­play funk­tio­nierte selbst mit Rad­hand­schu­hen stets einwandfrei.

85 %

Gesamtbewertung

Fazit

Insgesamt präsentierte sich uns das Garmin EDGE 830 als eine interessante Mischung aus Fahrradcomputer und Fahrradnavigation. Während der Funktionsumfang des Fahrradcomputers für unsere Bedürfnisse doch etwas überladen erscheint und damit auch die Menütiefe fast unübersichtlich macht, zeigte sich die Navigation als gewöhnungsbedürftig, mäßig komfortabel, funktional aber wenig zeitgemäß. Sehr unpassend finden wir die teuren Länderkarten, die einzeln bestellt und per Mikro-SD im EDGE geladen werden. Das ist für ein Gerät in dieser Preisklasse kein wirklich passender Zustand. Darüber hinaus macht die Erkennbarkeit des Displays wegen der schlechten Entspiegelung Probleme. Hier empfehlen wir eine matte Displayfolie, die die Spiegelung etwas mindert.

Geeignet ist das EDGE vorrangig für den Betrieb auf dem Rennrad oder bei ausschließlichen Straßentouren. Allerdings nur dann, wenn die große Menge auswertbarer Daten wirklich erwünscht ist. Sonst kann auch auf preiswertere Modelle zurückgegriffen werden.

Mit den EDGE 830 hat Garmin ein System aus Fahrradcomputer und Navigation aufgelegt, das bei Anbindung an Smartphone und Internet interessante Optionen bietet.

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