Mit der Marke Medion wer­den zual­ler­erst funk­tio­nale und tech­nisch meist gut aus­ge­stat­tete Com­pu­ter­sys­teme für den pri­va­ten oder semi­pro­fes­sio­nel­len Gebrauch im güns­ti­gen Preis­seg­ment ver­bun­den. Dar­über hin­aus hat sich Medion mitt­ler­weile auch in ande­ren Seg­men­ten elek­tro­ni­scher Geräte einen Namen gemacht und nimmt seit weni­gen Jah­ren auch am Wett­be­werb im Bereich preis­güns­ti­ger funk­tio­na­ler Navi­ga­ti­ons­sys­teme teil.

Aus­gie­big getes­tet haben wir im Test­la­bor und im zwei­wö­chi­gen Pra­xis­test das KFZ-Navi­ga­ti­ons­sys­tem Medion GoPal E5270, das laut Her­stel­ler­an­ga­ben auch für die Navi­ga­tion auf dem Motor­rad, dem Fahr­rad oder zu Fuß geeig­net sein soll. Unse­ren Pra­xis­test haben wir auf den Bereich der KFZ-Navi­ga­tion beschränkt.

Im Han­del ist das GoPal 5270 seit Ende Mai 2015. Bekannt sind einige Vor­gän­ger­mo­delle eben­falls in der GoPal Serie, die mit unter­schied­li­chen Leis­tungs­pa­ra­me­tern, abwei­chen­den Dis­play-Grö­ßen und ver­schie­de­nen Fea­tures aufwarten.

Das Medion GoPal E5270 ist im unte­ren Preis­seg­ment ange­sie­delt und bereits ab einem zwei­stel­li­gen Euro­be­trag zu haben. Das Kar­ten­ma­te­rial beschränkt sich auf 46 euro­päi­sche Län­der, teil­weise nur auf Haupt­stre­cken und Bal­lungs­zen­tren. Damit wen­det sich Medion vor allem an Ver­brau­cher, die ein funk­tio­na­les Navi­ga­ti­ons­sys­tem im Ein­stei­ger­be­reich mit einem güns­ti­gen Preis-Leis­tungs­ver­hält­nis suchen.

Ein rela­tiv sper­ri­ger und wenig ansehn­li­cher Kar­ton ist das Aus­lie­fe­rungs­me­dium für das GoPal E5270. Inhalt sind das Navi­ga­ti­ons­ge­rät selbst, die Schwa­nen­hals­hal­te­rung mit Saug­napf und Adap­ter­platte für die Befes­ti­gung an der Front­scheibe, ein KFZ-Lade­ka­bel, ein USB-Kabel für den Anschluss am Rech­ner, das Hand­buch mit Bedie­nungs­an­lei­tung und ein Gut­schein für ein Kar­ten­up­date inner­halb von 24 Monaten.

Der erste Ein­druck ist solide, mehr aber auch nicht. Beson­ders der Gut­schein für das Kar­ten­up­date lässt uns stut­zen, da nach dem ers­ten Update offen­sicht­lich keine wei­te­ren Kar­ten­ak­tua­li­sie­run­gen mög­lich sind. Damit ist auch die Gebrauchs­dauer des Navi­ga­ti­ons­sys­te­mes begrenzt, sofern man nicht auf aktu­elle Kar­ten­da­ten ver­zich­ten möchte. Die Schwa­nen­hals­hal­te­rung ist mit einem Ein­ga­be­stift ver­se­hen, wobei sich uns die Funk­tion des Ein­ga­be­stif­tes als auch seine ungüns­tige Posi­tio­nie­rung hin­ter dem Gerät irri­tiert. Die TMC-Funk­tion wird hier noch über die externe Antenne am KFZ-Lade­ka­bel sicher­ge­stellt, was heute nicht mehr allzu oft typisch ist. In der Ver­ar­bei­tung prä­sen­tiert sich das GoPal E5270 zwar solide aber eben auch bil­lig. Das spie­gelt sich auch in der Hap­tik wie­der, die von ein­fa­chen Mate­ria­lien in einer ebenso ein­fa­chen Ver­ar­bei­tung gekenn­zeich­net wird.

Die Befes­ti­gung der Schwa­nen­hals­hal­te­rung mit Saug­napf funk­tio­niert rei­bungs­los, aller­dings emp­fiehlt es sich, die Adap­ter­platte schon vor­her anzu­brin­gen. Ist das Navi­ga­ti­ons­sys­tem mit dem KFZ-Lade­ka­bel ver­bun­den, lässt sich die­ses rela­tiv ein­fach in der Hal­te­rung befes­ti­gen. Die Aus­rich­tung auf den indi­vi­du­ell güns­tigs­ten Blick­win­kel ist weni­ger ein­fach. Der Schwa­nen­hals reagiert äußerst stör­risch und führte oft­mals dazu, dass die gesamte Hal­te­rung von der Front­scheibe geris­sen wurde. Hier muss drin­gend nach­ge­bes­sert werden.

In der ers­ten Inbe­trieb­nahme zeigt sich das Gerät etwas träge, es wer­den zunächst ganze drei Minu­ten für eine Grund­la­dung des Sys­tems benö­tigt. Der Druck­punkt des Ein­schal­ters an der lin­ken obe­ren Gehäu­se­seite ist recht tief ange­legt. Auch in der Start­phase zeigt sich das GoPal E5270 eher behä­big, bis es dann nach eini­gen Hin­wei­sen end­lich zur Ziel­ein­gabe geht. Hier irri­tiert die alpha­be­ti­sche vir­tu­elle Tas­ta­tur, die für heu­tige Zei­ten doch etwas gewöh­nungs­be­dürf­tig erscheint. Die ande­ren Bedie­nungs­hin­weise sind selbst­er­klä­rend und logisch.

Auf­fäl­lig ist, dass das 5″-Display schon bei nor­ma­lem Tages­licht kaum erkenn­bar ist, wobei sich selbst wäh­rend der Ziel­ein­gabe die eige­nen Fin­ger im Dis­play spiegeln.

Über vier­zehn Tage hin­weg hat uns das Medion GoPal E5270 auf den Stra­ßen der Repu­blik beglei­tet. Sowohl im länd­li­chen Bereich, auf Bun­des­stra­ßen, in Groß­städ­ten und auf viel­be­fah­re­nen Auto­bah­nen haben wird das Navi­ga­ti­ons­sys­tem auf Herz und Nie­ren geprüft. Stö­rend erwies sich von Beginn an das stark spie­gelnde Dis­play mit einer schwa­chen Farb­dar­stel­lung und ebenso schwa­chen Kontrasten. 

Auch die bereits erwähn­ten Schwach­stel­len der Front­schei­ben­hal­te­rung erwie­sen sich als immer wie­der stö­rend. Beson­ders dann, wenn das Sys­tem bei star­ker Son­nen­ein­strah­lung abge­win­kelt wer­den sollte. Dann hat­ten wir schon ab und an das gesamte Sys­tem samt Hal­te­rung in der Hand, was durch­aus zu unlieb­sa­men Situa­tio­nen füh­ren kann.

Die Sprach­füh­rung zeigte sich hin­ge­gen recht ange­nehm. Das betrifft sowohl die stan­dard­mä­ßig ein­ge­stellte weib­li­che Spre­cher­stimme als auch das Sprechtempo und die Klar­heit der Ansa­gen. Aller­dings neigt das Gerät bei höher ein­ge­stell­ter Laut­stärke deut­lich zum Klap­pern. Die Navi­ga­ti­ons­hin­weise kom­men meist recht­zei­tig, manch­mal mit gering­fü­gi­ger Ver­zö­ge­rung, aber klar und ver­ständ­lich. Ange­nehm und typisch für Medion-Navi­ga­ti­ons­ge­räte ist, dass Geschwin­dig­keits­hin­weise nicht per Warn­ton, son­dern als gespro­che­ner Hin­weis aus­ge­ge­ben werden.

Die Kar­ten­an­sicht, sofern sie sicht­bar ist, erweist sich als ver­hält­nis­mä­ßig punkt­ge­nau und auf die Rea­li­tät zutref­fend. Hier stört eben vor allem das Manko der kon­trast- und farb­schwa­chen Dar­stel­lung. Zusätz­li­che Hin­weise und der Fahr­spuras­sis­tent sind kom­for­ta­bel und hilfreich.

Für unsere Tes­ter war nicht nach­zu­voll­zie­hen, dass es sowohl im städ­ti­schen Bereich als auch auf Bun­destra­ßen gele­gent­lich zu klei­ne­ren Navi­ga­ti­ons­feh­lern kommt. Die Ursa­chen dafür blei­ben unbe­kannt. Aller­dings ändern diese klei­ne­ren Feh­ler nichts daran, dass das Sys­tem rela­tiv sicher die gewünschte Route entlangführt.

Das TMC-Modul hat uns wäh­rend der gesam­ten 14 Tage kei­ner­lei Mel­dun­gen aus­ge­ge­ben, so dass wir hier über die Funk­tio­na­li­tät keine Anga­ben machen kön­nen. Die zusätz­li­chen Funk­tio­nen wie Bild­be­trach­ter, MP3-Player und Spiele erschlie­ßen sich uns in die­ser Gerä­te­klasse weder sinn­voll noch hilf­reich. Hier hätte wohl mehr Wert auf die Grund­funk­tio­nen gelegt wer­den sollen.

Auch im enge­ren Groß­stadt­ver­kehr lässt sich mit dem Medion GoPal E5270 rela­tiv kom­for­ta­bel navi­gie­ren, wobei an grö­ße­ren Kreu­zun­gen die Fahr­spur­hin­weise gele­gent­lich etwas spät kom­men. Hat man ein­mal die vor­ge­schla­gene Route ver­las­sen, wird die Alter­na­tiv­route schnell und stim­mig nach­be­rech­net. Das lässt sich als Plus­punkt ver­bu­chen. Auch bei hart­nä­cki­gen Abwei­chun­gen von der vor­aus­be­rech­ne­ten Stre­cke funk­tio­niert das tadel­los und führt immer auf die nächste opti­male Route.

85 %

Gesamtbewertung

Fazit

Zusammenfassend präsentiert sich das Medion GoPal E5270 als preiswertes, bedingt funktionales aber nicht in jeder Hinsicht zufriedenstellendes Navigationsgerät in der Einsteigerklasse. Während die Sprachführung und die korrigierten Routenanweisungen beim Verfahren als gut eingeschätzt werden können, erweist sich das 5″-Display zwar als ausreichend groß aber für die Nutzung im Straßenverkehr fast schon gefährlich. Schon bei normalem Tageslicht ist die optische Routenführung kaum zu erkennen, bei Sonneneinstrahlung wird praktisch blind gefahren. Wenig hilfreich ist hier auch die sehr starre Schwanenhalshalterung, die sich kaum vernünftig einstellen lässt. Auch ein Menge an Zusatzfunktionen täuscht nicht darüber hinweg, dass das Gerät im täglichen Gebrauch bestenfalls der unteren Einsteigerklasse zuzuordnen ist.

Das Navigationssystem Medion GoPal E5270 ist in der unteren Preisklasse ein günstiges Einsteigermodell mit interessanten aber eher unnötigen Zusatzfunktionen.