Gar­min ist den meis­ten als Her­stel­ler von KFZ-Navi­ga­ti­ons­sys­te­men in unter­schied­li­chen Preis- und Aus­stat­tungs­klas­sen bekannt. Dabei hatte der Her­stel­ler bereits seit Beginn der Fir­men­ge­schichte das Haupt­au­gen­merk vor allem auf die satel­li­ten­ge­stützte Posi­ti­ons­be­stim­mung gelegt und den Ein­stieg in das Seg­ment der Fahr­zeug­na­vi­ga­tion fast ver­passt. Außer Navi­ga­ti­ons­sys­te­men für die Nut­zung im PKW bie­tet der erfah­rene Her­stel­ler auch Sys­teme für die Nut­zung zu Fuß, in der Luft, auf dem Was­ser und für das Fahr­rad an. 

Wir haben uns für Sie auf das Fahr­rad gesetzt und sowohl auf dem Moun­tain­bike als auch auf dem Renn­rad das Gar­min EDGE 510 genauer unter die Lupe genom­men. Eine beson­dere Auf­gabe kam hier auch unse­rem Test­lab zu, da einige Funk­tio­nen des Gar­min EDGE 510 auf die inter­net­ge­bun­dene Com­pu­ter­un­ter­stüt­zung ange­wie­sen sind.

Das EDGE 510 ist im deut­schen Han­del seit 2013 zu haben, sowohl in der Aus­lie­fe­rung nur mit Lade­ge­rät und Befes­ti­gungs­set oder als Bundle mit Lade­ge­rät, zusätz­li­chen Sen­so­ren und zwei unter­schied­li­chen Sys­te­men für die Hal­te­rung. Wir haben die Stan­dard­aus­lie­fe­rung getestet.

Das Gar­min EDGE 510 liegt in der mitt­le­ren Preis­klasse ver­gleich­ba­rer Geräte. Vorab sei hier schon gesagt, dass sich das EDGE 510 nicht für den Gele­gen­heits- oder Hob­by­fah­rer lohnt, son­dern sich eher an semi­pro­fes­sio­nelle und pro­fes­sio­nelle Renn­rad­fah­rer wen­det. Als Trai­nings­com­pu­ter ist es durch­weg emp­feh­lens­wert, wobei sich die Funk­tio­nen am Moun­tain­bike nur teil­weise erschließen.

In der Stan­dard­lie­fe­rung wird der Fahr­rad-Trai­nigs­com­pu­ter mit Schnell­start­an­lei­tung, Befes­ti­gungs­sys­tem, Lade­ge­rät mit Mini-USB-Kabel und Com­pu­ter selbst in einem schi­cken Kar­ton gelie­fert. Anspre­chend ver­packt kommt so gleich Freude auf die Nut­zung auf. Die wird etwas gebremst, da es emp­feh­lens­wert ist, den Trai­nings­com­pu­ter zunächst voll­stän­dig auf­zu­la­den. Dafür ist ein Adap­ter­ste­cker bei­ge­legt, der sich für den inter­na­tio­na­len Gebrauch eig­net. Das bie­tet Zeit, um sowohl Gar­min Con­nect auf dem Rech­ner und die ent­spre­chende App auf dem Smart­phone zu instal­lie­ren und die Schnell­start­an­lei­tung zu studieren.

Der erste Ein­druck vom Gar­min EDGE 510 ist durch­aus posi­tiv, Ver­ar­bei­tungs­qua­li­tät, Mate­ria­lien und Optik pas­sen offen­sicht­lich zum Ein­satz­zweck. Das Dis­play ist auch unter wech­seln­den Licht­ver­hält­nis­sen immer gut ables­bar. Etwas schwie­rig gestal­ten sich schon im Labor-Test die rela­tiv hart gesetz­ten Druck­punkte der Bedien­knöpfe und die teil­weise etwas zöger­li­che Reak­tion des Touchscreen-Displays.

Die Befes­ti­gung an unter­schied­li­chen Stel­len des Len­kers oder des Len­ker­vor­baus funk­tio­niert mit den mit­ge­lie­fer­ten Gum­mi­bän­dern rei­bungs­los, das EDGE 510 lässt sich gut und sicher ein­ras­ten. Mit Rad­hand­schu­hen fällt auf, dass jetzt noch etwas kräf­ti­ger auf das Dis­play gedrückt wer­den muss und für die Swipe-Funk­tion für den Sei­ten­wech­sel etwas Übung erfor­der­lich ist. Das ist sicher­lich der robus­ten und was­ser­dich­ten Bau­weise geschul­det und muss so hin­ge­nom­men werden.

Vom Ein­schal­ten und den ers­ten Grund­ein­stel­lun­gen bis zu ers­ten Nut­zung kön­nen zwei Minu­ten ein­ge­plant wer­den, bis dahin wird auch eine ver­nünf­tige GPS-Ver­bin­dung auf­ge­baut, so dass es an die­ser Stelle eigent­lich schon los­ge­hen kann. Die ers­ten Bli­cke auf das Dis­play wäh­rend der Fahr­ten zei­gen, dass sich alle Werte gut able­sen las­sen und die Dar­stel­lung in Bico­lor voll­kom­men aus­rei­chend erscheint. Bei Dun­kel­heit kann das Dis­play zusätz­lich inter­grund­be­leuch­tet werden.

Im mehr­tä­gi­gen Pra­xis­test haben unsere bei­den Rad­fah­rer (Moun­tain­bike und Renn­rad) und die Exper­ten im Test­la­bor ein­zelne Funk­tio­nen des Gar­min EDGE genauer stu­diert. Fest­ge­stellt wer­den muss, dass die Anschaf­fung des Gerä­tes nur dann sinn­voll ist, wenn sowohl die Blue­tooth Ver­bin­dung zum Smart­phone, die ent­spre­chende App als auch die Funk­tio­nen auf Gar­min Con­nect genutzt wer­den. Dann kön­nen prak­tisch alle Funk­tio­nen ver­wen­det und alle Daten aus­ge­wer­tet werden.

Hier zu den getes­te­ten Features.

Activity Pro­file und Activity Alarm

Aus drei grund­sätz­li­chen Trai­nings­pro­gram­men kann das eigene Akti­vi­täts­pro­fil gewählt und vor­ein­ge­stellt wer­den. Ände­run­gen sind hier jeder­zeit mög­lich. Die Werte kön­nen indi­vi­du­ell ein­ge­stellt wer­den. Dar­über hin­aus wer­den Akti­vi­täts­alarme ange­bo­ten, die bei­spiels­weise bei Über­schrei­ten von Herz­fre­quenz oder ande­ren Kenn­wer­ten Alarm geben. So las­sen sich auch Trai­nings­pro­file erstel­len, die den eige­nen Vor­aus­set­zun­gen ent­spre­chen. Diese Ein­stel­lun­gen wer­den auf dem Touch Moni­tor ein­ge­stellt, kön­nen aber nicht auf Gar­min Con­nect jus­tiert werden.

Bemer­kens­wert an die­ser Stelle ist, dass das Online Por­tal Gar­min Con­nect kos­ten­los ange­bo­ten wird. Hier wer­den auch erfor­der­li­che Updates zur Ver­fü­gung gestellt. Wäh­rend des Test­be­trie­bes wurde zu Beginn ein Update rei­bungs­los auf­ge­spielt. Bemän­gelt wer­den muss hier, dass Gar­min Express für die Updates nur für Win­dows und Mac bereit­ge­stellt wer­den, Linux-Nut­zer haben das Nachsehen.

Wer­den bei den unter­schied­li­chen Akti­vi­tä­ten Log­da­ten bereit­ge­stellt, kön­nen die auf einer Karte sicht­bar gemacht wer­den. Aller­dings wer­den hier nur 200 Koor­di­na­ten auf Gar­min Con­nect über­tra­gen, so dass bei umfang­rei­che­ren Tou­ren die Stre­cken­auf­lö­sung limi­tiert erscheint.

Das Tei­len von Activi­ties mit ande­ren erfor­dert ein Anpas­sen der pri­va­ten Ein­stel­lun­gen. Wird hier bei­spiels­weise My Con­nec­tions“ gewählt, kann man sich auch mit Freun­den messen.

Smart­phone App

Im Ver­gleich zur Online Ansicht wer­den auf der App nur die wich­tigs­ten Funk­tio­nen zur Ver­fü­gung gestellt. Dazu gehö­ren auch Wet­ter­da­ten, die bei wei­ten Tou­ren durch­aus hilf­reich sein kön­nen. Hier stim­men die Anga­ben weit­ge­hend mit der vor­ge­fun­de­nen Rea­li­tät über­ein. Grobe Aus­wer­tun­gen der Activi­ties sind auch über die App mög­lich, Gesund­heits­da­ten kön­nen direkt aktua­li­siert werden.

Live Track ist nur inter­es­sant, wenn die gefah­rene Stre­cke bei­spiels­weise mit Freun­den und Fol­lo­wern auf Face­book und Twit­ter geteilt wer­den soll. Dann kön­nen hier Ver­bin­dun­gen zur Gar­min Con­nect her­ge­stellt wer­den und die Stre­cken­füh­rung live nach­voll­zo­gen wer­den. Aller­dings ist hier eine ste­hende Blue­tooth Ver­bin­dung zum mit­ge­führ­ten Smart­phone erforderlich.

Fahr­rad-Navi­ga­tion

Auch wenn das EDGE 510 nicht als rei­nes Navi­ga­ti­ons­sys­tem für das Fahr­rad kon­zi­piert wurde, ist eine Fahr­rad­na­vi­ga­tion den­noch mög­lich. Dafür müs­sen in Gar­min Con­nect ent­we­der Logs ande­rer Teil­neh­mer gela­den oder eigene Rou­ten erstellt wer­den. Diese kön­nen dann auf das Gerät über­tra­gen wer­den. Die Navi­ga­tion erfolgt hier aller­dings nicht mit Hilfe von Kar­ten­da­ten, son­dern durch ein­fa­che sym­bo­li­sche Infor­ma­tio­nen, die jedoch sehr gut funk­tio­nie­ren. Ver­fährt man sich, kann keine Alter­na­tiv­route ange­bo­ten wer­den, da eben keine Kar­ten­da­ten vor­han­den sind. Man muss dann soweit zurück­fah­ren, bis man wie­der am Aus­gangs­punkt des Ver­fah­rens ange­kom­men ist. Man kann so also auch unbe­kannte Bike­tou­ren fah­ren, sofern die Logs zur Ver­fü­gung stehen.

Vir­tual Partner

Diese Funk­tion kann gut als vir­tu­el­ler Trai­nings­part­ner ein­ge­setzt wer­den, lässt natür­lich Wün­sche offen. So wer­den für den vir­tu­el­len Trai­nings­part­ner ledig­lich Durch­schnitts­ge­schwin­dig­kei­ten ange­ge­ben. Dann fährt man prak­tisch die gesamte Stre­cke über ori­en­tiert an der Durch­schnitts­ge­schwin­dig­keit des vir­tu­el­len Part­ners. Schwie­rig kann das wer­den, wenn man sich in sehr struk­tu­rier­tem Gelände bewegt.

Im regel­mä­ßi­gen Gebrauch

Sowohl auf dem Renn­rad als auch auf dem Moun­tain­bike haben wir vor allem den moti­vie­ren­den Cha­rak­ter des Trai­nings­com­pu­ters schät­zen gelernt. Dabei eig­net sich das Gerät eben eher für das Renn­rad als für das Moun­tain­bike. Das liegt auch an den unter­schied­li­chen Nut­zer­pro­fi­len. Wich­tig ist es jedoch, das Smart­phone mit Blue­toot­h­ver­bin­dung auch mit­zu­neh­men, da sonst einige wesent­li­che Funk­tio­nen nicht gebo­ten sind. Ange­nehm ist dann auch, dass das EDGE sogar dar­auf hin­weist, wenn der Lade­zu­stand des Smart­pho­nes kri­tisch wird. GPS wird schnell gefun­den und per Start­taste kann das jewei­lige Log begin­nen. Am Ende des Log wird mit der Star­t/Stopp-Taste been­det. Anschlie­ßend kann gewählt wer­den, ob das Log gespei­chert oder ver­wor­fen wird. Via Smart­phone kön­nen die Daten aus­ge­wer­tet und an Gar­min Con­nect über­tra­gen werden.

Die Akku­lauf­zeit reicht in jedem Fall für die Tour an einem Tag, was auch den Her­stel­ler­an­ga­ben ent­spricht, also Neu­la­den vor dem nächs­ten Log nicht vergessen.

85 %

Gesamtbewertung

Fazit

Der Garmin Edge 510 ist ein Fahrradcomputer, der sich vor allem für den semiprofessionellen und professionellen Trainingsbetrieb eignet. Für gelegentliche Radtouren oder Alltagsfahrten empfehlen wir einfachere und preiswertere Geräte. Dank GPS müssen spezielle Speedsensoren nicht eingesetzt werden. Die Grundfunktionen decken viele Wünsche ab. Die vielen weiteren Auswertungsmöglichkeiten via App und Garmin Connect sind tiefgreifend und hervorragend. 

Mit dem Garmin EGDE 510 ist ein Fahrradcomputer am Markt, der vor allem für semiprofessionelle und professionelle Radfahrer viele interessante Optionen bietet.